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Visionen und Träume

Die Frauenfigur "In der Warteschleife" - hier in der Kirche St. Martin - schaut nach einer gerechten Zukunft für Frauen in der Gesellschaft und besonders in der Kirche aus!
Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt hat den Satz geprägt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!“. Meine Meinung ist recht genau das Gegenteil: „Wer keine Visionen hat, ist nicht gesund!“ Visionen und Träume gehören zum Menschen und ohne sie gibt es keine Entwicklung - erst recht keine zum Besseren. Ich möchte drei Beispiele für Visionen und Träume hin zu einer besseren Welt nennen. Da ist als erstes die Figur „In der Warteschleife“ von Erika Einhellinger, die jetzt schon einige Wochen im Altarraum von St. Martin hängt und hier auch noch ein paar Tage zu sehen sein wird. Sie schwebt und ist als Frau erkenntlich. Für die Künstlerin symbolisiert sie zunächst den Traum vom Fliegen, von Leichtigkeit. Ein Traum, der sie bewegt, wie sie bei der Vernissage sagte. Diese Figur steht aber nach ihren Worten…
Letzte Posts

Petrus mit zwei Gesichtern - zum 21. Sonntag im Jahreskreis A - Diakon Sebastian Nüßl

Am morgigen und am folgenden Sonntag steht Petrus im Mittelpunkt der Evangelien. Er zeigt sich uns dabei als recht problematische Persönlichkeit. Morgen hören wir, wie Jesus zu Petrus sagt: „Du bist Petrus der Fels“ - am nächsten Sonntag spricht er ihn mit „du Satan“ an. Die Stellen folgen im Matthäus-Evangelium unmittelbar aufeinander. Umso größer also die „Fallhöhe“. Warum urteilt Jesus derartig deutlich und hart. Ich denke, weil Petrus für ihn so wichtig ist. Denn er ist der Fels, auf dem Jesus seine Kirche bauen will. Indem er über die Aussagen des Petrus urteilt, zeigt er uns zugleich, wie er seine Kirche haben will - und wie eben nicht. Wie nicht: Jesus nennt Petrus Satan, weil er vom Leiden des Menschensohnes nichts wissen will. „Das soll Gott verhüten“ sagt Petrus, als Jesus sein Leiden ankündigt. Wir können das ganz direkt auf die Kirche übertragen. Wenn in ihr die Leidenden keinen Platz und keine Stimme haben, ist sie nicht Kirche Jesu. Leider ist gerade das in manchem Mißbr…

Von Adlern und Hühner - Gedanken zum Fest Mariä Himmelfahrt - BGR Pfarrer Wolfgang Riedl

Kennen Sie die Geschichte von den Hühnern und dem Adler? Ein Mann fängt einen kleinen, jungen Adler und steckt ihn zu den Hühnern im Hühnerhof. Nach fünf Jahren kommt ein naturkundiger Mann vorbei, sieht den Adler unter den Hühnern und ruft: Ein Adler, ein echter Adler! Der Hühnerhof-Besitzer sagt: „Nein, er ist kein Adler mehr, er ist zum Huhn geworden, auch wenn er drei Meter breite Flügel hat.“ Der Andere: „Nein, er ist ein Adler, er hat das Herz eines Adlers, er will in die Lüfte!“ So geht es hin und her, bis die beiden beschließen, eine Probe zu machen. Der naturkundliche Mann nimmt den Adler, hebt ihn in die Höhe und sagt beschwörend: „Der du ein Adler bist, der du dem Himmel gehörst und nicht dieser Erde, breite deine Schwingen aus und fliege!“ Der Adler saß auf der hochgereckten Faust, blickte sich um, sah die Hühner unten nach Körnern picken und sprang zu ihnen hinunter. „Ich habe Dir gesagt, er ist ein Huhn.“ „Nein, er ist ein Adler, ich versuche es morgen noch einmal!“ Am n…

Das Wunder Mitleid - zum 18. Sonntag im Jahreskreis A - Diakon Sebastian Nüßl

Für sein Mitleid bekannt war St. Martin, der Namenspatron unserer Kirche. Martin sah einen frierenden Bettler und teilte seinen Mantel mit ihm. (Fensterausschnitt St. Martin) Die Anthropologin Margaret Mead (1901-1978) wurde einmal gefragt, wann die menschliche Zivilisation begann - wann also der Mensch wirklich zum Menschen wurde. Ihre Antwort klingt auf den ersten Blick verblüffend: Mit dem ersten nach einem Bruch wieder zusammengeheilten Oberschenkelknochen. Die Begründung liegt aber auf der Hand: wenn ein so wichtiger Knochen brach, bedeutete das den Tod. Die Zeit für die Heilung war nicht da. Die Nahrungssuche wurde unmöglich. Raubtiere lauerten. Wenn aber Heilung möglich war, gab es jemand, der den Kranken beschützt hat, der seine Wunde gepflegt hat, der ihm Nahrung brachte. Da war jemand, der hatte Mitleid. Mit Mitleid also beginnt das Mensch-Sein.Wenn man von Jesus eines sagen kann, dann: Er hatte Mitleid. Im Evangelium von morgigen Sonntag lesen wir das wörtlich. Diese Stell…

Vom Werden - zum 15. Sonntag im Jahreskreis A - Kaplan Pater Gregor Schuller OSB

Detail Deckengemälde (Abteikirche Metten), Foto: P. Thomas Winter OSB
„Bleib so wie du bist!“ – Das ist ein Wunsch, den man anlässlich von Geburtstagen oft zu hören bekommt. Aber geht das überhaupt, ist das sinnvoll? Würde das nicht auf Dauer Stillstand bedeuten? Seit wann bin ich eigentlich so wie ich bin? Wie bin ich so geworden? Wer hat dabei mitgewirkt, positiv wie vielleicht auch negativ? Will ich so bleiben? Kann ich so bleiben? Menschliches Leben bedeutet sicher ständige Veränderung. Keiner kann einfach Stillstand verordnen. Tut das doch jemand, dann hängt er sich nur selber ab und verliert den Anschluss. Er wird letztlich allein zurückbleiben. Deutlich wird diese Tatsache im beständigen Werden und Vergehen der Natur: sie ist ständig im Werden, im Wachsen, in Veränderung und zwar immer auf neue Höhepunkte hin. Die scheinbare Starre des Winters ist nur Vorbereitung auf neues Blühen und Wachsen hin. Von diesem steten werden der Schöpfung spricht auch die zweite Lesung des heutigen …

Christentum für Unfertige - zum 14. Sonntag im Jahreskreis A - Diakon Sebastian Nüßl

Bild: Maria trifft Elisabeth - Statue im Regensburger Dom; Foto: Sebastian Nüßl

Also doch! Jesus sagt es ja selbst im Evangelium vom morgigen Sonntag! Das Christentum ist eine Sache für Unmündige: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.“ Aufgeklärte, mündige Menschen brauchen kein Christentum mehr. So ist es doch. Nein, so ist es nicht. Jesus hat etwas völlig anderes im Blick. Er denkt an die, die nichts zu sagen hatten damals, die im wahrsten Sinn des Wortes unmündig waren. Also vor allem die Frauen und die Kinder. Es ist für Jesus ein Freude, dass genau sie von Gott gemeint sind. Und dass sich die Weisen und Klugen, die Schriftgelehrten, die Führenden so schwer taten mit der Botschaft vom Reich Gottes. Nicht umsonst jubelt Maria, die Mutter Jesu, bei der Begegnung mit Elisabeth: „Auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut“ und später: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht…

Gedanken von Pfarrer Franz Reitinger zum 13. Sonntag im Jahreskreis (Evangelium: Matthäus 10, 37-42)

"Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert." Wer solche Sätze zum ersten Mal hört, der zuckt unwillkürlich zusammen. Nur die Gewöhnung an diese und ähnlich schroffe Sätze im Munde Jesu hindert uns daran, ihm sofort und heftig zu widersprechen. Doch es besteht kein Zweifel an einer Feststellung, die wir gerne ausblenden: Jesus war kein Nesthocker. Die bequeme Fortsetzung der Einquartierung im Hotel Mama war nicht sein Ding. Das heutige Evangelium klingt eher wie eine Predigt mit kalter Dusche zum Thema "Werdet endlich erwachsen!"Oder sind diese und die folgenden Sätze von der Kreuzesnachfolge nur der gut kalkulierte Versuch Jesu, seine Anhänger auf eine bedingungslose Gefolgschaft einzuschwören? War er vielleicht doch so etwas wie ein narzisstischer Demagoge, dem es wie allen anderen vor und nach ihm nur darauf ankam, Menschen von ihm abhängig zu machen? Ist es die Person und…