Direkt zum Hauptbereich

Corona-Gespenster und der Auferstandene - Gedanken von Diakon Sebastian Nüßl

Wir glauben nicht an Gespenster. Und doch bekommen wir eine Gänsehaut, wenn eine gute Gruselgeschichte erzählt wird. Gespenster machen dann doch noch Angst: nicht zu fassen, nicht festzumachen, bereit, allen möglichen Schaden anzurichten. Wir wissen natürlich, dass es die aus den Geschichten nicht gibt. Heute treiben andere „Gespenster“ ihr Unwesen. Auch sie wollen Angst verbreiten, sind schwer zu greifen und zu durchschauen. Hatte so ein Gespenst vor Jahren den Namen „Flüchtlingsflut“ heißen sie heute: „Corona-Diktatur“, „Corona-Zwangsimpfung“, „Corona als Mittel zur Erlangung der Weltherrschaft“. Leer-Denker machen damit Politik.

Das Evangelium vom morgigen Sonntag (Lukas, Kapitel 24, die Verse 35 bis 48) hat eine wesentliche Botschaft: Christen glauben nicht an Gespenster. Es geht um den Auferstandenen. Er erscheint seinen Jüngern eben nicht als Gespenst, sondern mit Fleisch und Knochen und dazu fähig, einen Fisch zu essen. Wie wir uns das genau vorstellen können bleibt offen, denn der Evangelist Lukas war selbst kein Zeuge der Erscheinungen. Was er aber festhält, ist die ihm überlieferte Tatsache: Christus ist wirklich auferstanden, handfest und greifbar. Kein Gespenst also. Angst verbreiten will er erst recht nicht. Der zentrale Satz der Erzählungen vom Auferstandenen lautet nämlich: „Friede sei mit euch.“

Auferstehung ist also etwas durch und durch körperliches. Die Dichterin Maria Luise Kaschnitz hat es in den ersten Zeilen ihres Gedichtes „Auferstehung“ so beschrieben:

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tag
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.

Leibhaftigkeit ist das Markenzeichen unseres christlichen Glaubens. Die reale Welt ist daher der Ort christlichen Glaubens. Christen möchten erfahren, was wirklich ist. Sie möchten hingehen zu den Menschen - gleich ob auf die Intensivstationen oder zu den Verhandlungstischen. Hinschauen, nachforschen, erkennen, handeln. Das bringt die Gespenster dorthin, wo sie hingehören: ins Märchenbuch 

Christen leben in keiner Traumwelt und keiner vergeistigten Welt. In dieser einen wirklichen Welt sollen wir ankommen, denn sie ist die Welt des Auferstandenen. Wenn wir in der leibhaften Welt leben, uns bewegen und sind, leben wir, bewegen wir uns und sind wir in der Welt des Auferstandenen. Hier und nur hier begegnen wir Gott, der die Liebe ist.

 

Diakon Sebastian Nüßl zum 3. Sonntag der Osterzeit


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Vom Werden - zum 15. Sonntag im Jahreskreis A - Kaplan Pater Gregor Schuller OSB

Detail Deckengemälde (Abteikirche Metten), Foto: P. Thomas Winter OSB „Bleib so wie du bist!“ – Das ist ein Wunsch, den man anlässlich von Geburtstagen oft zu hören bekommt. Aber geht das überhaupt, ist das sinnvoll? Würde das nicht auf Dauer Stillstand bedeuten? Seit wann bin ich eigentlich so wie ich bin? Wie bin ich so geworden? Wer hat dabei mitgewirkt, positiv wie vielleicht auch negativ? Will ich so bleiben? Kann ich so bleiben? Menschliches Leben bedeutet sicher ständige Veränderung. Keiner kann einfach Stillstand verordnen. Tut das doch jemand, dann hängt er sich nur selber ab und verliert den Anschluss. Er wird letztlich allein zurückbleiben. Deutlich wird diese Tatsache im beständigen Werden und Vergehen der Natur: sie ist ständig im Werden, im Wachsen, in Veränderung und zwar immer auf neue Höhepunkte hin. Die scheinbare Starre des Winters ist nur Vorbereitung auf neues Blühen und Wachsen hin. Von diesem steten werden der Schöpfung spricht auch die zweite Lesung des heutig...

Die "Breaking News" Jesu - zum 7. Sonntag i. J./C - eine Predigt von Diakon Sebastian Nüßl

„Breaking News“ kann man aus dem englischen sehr unspektakulär mit „Eilmeldung“ übersetzen. Denn genau das ist meist damit gemeint. Eilmeldungen, die beispielsweise am unteren Bildrand eines Nachrichtensenders durchlaufen. Eilmeldungen von sehr unterschiedlicher Wichtigkeit: das kann die Ankündigung einer Invasion genauso sein wie die überraschende Änderung eines Börsenkurses. Auf die eine Eilmeldung folgt schon die nächste. Ungerührt wird sie der Nachrichtensprecher kurz darauf etwas ausführlicher verlesen. Selbst Katastrophen werden zur alltäglichen Routine. Ich möchte „Breaking News“ etwas kraftvoller übersetzen mit „Hereinbrechende Neuigkeiten“ und dieses Wort auf Jesus beziehen. Ich meine damit nicht die „breaking news“ im oben genannten Sinn, die es im Leben Jesu auch gegeben hat, etwa seinen Prozess und die Kreuzigung. Ich meine damit vielmehr die hereinbrechenden Neuigkeiten seiner Botschaft. Und da hat das Evangelium von diesem Sonntag einige davon. Denn wem etwas weggenomme...

Gedanken zum 2. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) von Stadtpfarrer Franz Reitinger

Der Alltag hat uns wieder - seit mindestens einer Woche. Auch in der Kirche ist nach dem Ende der Weihnachtszeit der Alltag wieder eingekehrt, deutlich sichtbar in der liturgischen Farbe „grün“. Nur Krippe und Christbaum begleiten uns noch bis zum Fest der Darstellung des Herrn, besser bekannt unter dem alten Namen „Mariä Lichtmess“. Und zum Alltag passt auch das heutige Evangelium. Es setzt aber gleich zu Beginn einen Hoffnungsakzent, der wie ein Vorzeichen in der Musik oder in der Mathematik all unserem alltäglichen Leben Entscheidendes zu sagen hat. Doch was ist dieses Vorzeichen der Hoffnung über unserem Alltag? Der Evangelist Johannes erzählt von einer Hochzeit, zu der Jesus mit seiner Mutter und seinen Jüngern eingeladen ist. Dabei ist eine Hochzeit natürlich alles andere als Alltag. Doch selbst bei einer Hochzeit kann ein ganz alltäglicher Fehler passieren. In diesem Fall ist es die Peinlichkeit, dass das Braut-paar den Durst seiner Gäste unterschätzt hat. Gerade bei einer orie...