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Die Hoffnung ist das Federding... Gedanken zum Sonntag von Kaplan Pater Gregor Schuller OSB





„Die Hoffnung ist das Federding, das in der Seel sich birgt und Weisen ohne Worte singt und niemals müde wird.“ (Emily Dickinson, 1830–1886). Vielleicht kennen Sie das: Lebensumstände, Situationen, Konstellationen, die ausweglos erscheinen; Bedrängnisse, Ängste, Sorgen, die einem keine Ruhe mehr lassen und den Schlaf rauben; den Wunsch, aus all dem auszubrechen und auszusteigen und neu anzufangen, alles von vorne zu beginnen und zu einem besseren Ende zu führen. All das kann und wird sich im Leben von manchen Menschen in der ein oder anderen Weise und Ausprägung finden. Von einer solchen Erfahrung spricht auch die erste Lesung dieses Sonntags, die aus dem alttestamentlichen Buch Jeremia entnommen ist (Jer 20,10–13). Sie schildert das Grauen, das einer erlebt, von der Anfeindung, dem Hass und dem Neid, das dem Propheten Jeremia von seinem nächsten Umfeld entgegenschlägt. Jeremia muss das erleiden, weil er den Auftrag Gottes erfüllt und dadurch für die Etablierten und die Routinierten unbequem wird. Er soll zum Schweigen gebracht werden, damit endlich wieder Ruhe und vermeintliche Sicherheit einkehren können.

Ein solches oder ähnliches Schicksal von Menschen aller Zeiten zeigt: nicht alles kann man selbst ändern. Leider! Nicht jeder auch noch so katastrophalen Situation kann man entkommen. Vieles muss auf nicht verstehbare Weise zunächst durchlitten und durchgetragen werden, bevor es zu einer positiven Veränderung kommen kann. Zu Recht drängt sich dabei die Frage auf: wie schaffen Menschen das? Woher nehmen sie die nötige Kraft dazu?

Es ist die Hoffnung, die im Verborgenen da ist und das ermöglicht. Sie ist dieses bewegliche „Federding“, von dem die Dichterin Emily Dickinson spricht und das Bewegungsspielraum ermöglicht. Diese Hoffnung wird aus der Gewissheit genährt, dass es jemanden gibt, der auf undurchdringliche Weise alles in der Hand hat – auch das Schwere und Schlimme. Dieser Jemand hat auch die Fähigkeit, Dinge und Situationen zum Guten zu wenden, gerade weil er auch das Negative umfassen kann. Von dieser Hoffnung singt die Seele Lieder, seien es frohe oder auch traurige. Sie besingt diese Hoffnung und gibt ihr einen Namen: Gott.

Diese Hoffnung ist wie ein Puls, der immer weiter schlägt, in guten wie in schweren Stunden. Es ist letztlich der Wiederhall des Herzschlages Gottes, der alle Menschen in sein Herz geschlossen hat, dessen Herz für jeden Menschen schlägt und deshalb allen Grund zu grenzenloser Hoffnung gibt – auch und gerade in scheinbar ausweglosen Situationen.

 

Bild: Putto (Abteikirche Metten); Foto: P. Thomas Winter OSB]

 

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