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Menschenfischer - nicht Menschenfänger - Gedanken zum 3. Sonntag im Jahreskreis B von Diakon Sebastian Nüßl

Jesus beruft zunächst Fischer zu seinen Jüngern. Im morgigen Evangelium gibt er ihnen den Auftrag, Menschen zu fischen. Kaum eine Stelle der Evangelien wird derartig falsch ausgelegt wie diese. Als Beispiel möchte ich nur die Netze nennen, die zur Erstkommunionszeit in manchen Kirchen hängen mit Bildern der Erstkommunionkinder als Fische im Netz. Da fragt man unwillkürlich: Sollen die jetzt geschlachtet werden? Schreckliches Bild.

So ist das Bild vom Menschenfischer natürlich nicht gemeint. Sonst hätte Jesus seine Jünger aufgefordert, Menschen zu fangen. Es geht ihm aber um etwas völlig anderes, nämlich um die Eigenschaften eines - guten - Fischers. Die passen offensichtlich auch zu seinen Jüngern.  Jesus hat genau hingeschaut bei seinen Wanderungen entlang des Sees von Galiläa. Er hat sich mit Fischern unterhalten und ihre Arbeit kennen gelernt. Vielleicht sind ihm die Besonderheiten dieses Berufes besonders deutlich geworden, indem er sie mit seinem eigenen Beruf und dem seines Vaters verglich: Architekt und Zimmerer.

In dreifacher Hinsicht möchte ich diesen Vergleich anstellen und dabei zeigen, was einen guten Menschenfischer - einen guten Jünger Jesu - ausmacht.

- Zimmerer gehen auf Nummer sicher. Lieber einen stärkeren Balken einbauen, damit er auch sicher hält. Kein Risiko eingehen! Wie schaut es bei Fischern aus: Sie fahren auf den See. Und wenn der See von Galiläa auch nicht besonders groß ist, lauern doch Gefahren wie der unberechenbare Fallwind. Fischer brauchen also Mut. Denn Wasser hat keine Balken. Ein kleines Risiko ist immer dabei. Genauso stellt sich Jesus seine Jünger vor: Das Risiko, das es bedeutet, ihm zu folgen, dürfen sie nicht scheuen.

- Zimmerer konstruieren bevor sie bauen. Ein guter Plan ist entscheidend für den Erfolg. Ein Fischer dagegen kann seinen Fang nicht planen. Er braucht eine ganz andere Fähigkeit, nämlich mit den Fischen zu fühlen. Wohin könnten sie sich jetzt bewegen? Suchen sie Nahrung? Schwimmen sie zu einer warmen oder einer kalten Stelle im See? Ein wenig sollte ein guter Fischer selber Fisch sein, um zu ahnen, was sie bewegt. Genau diese Fähigkeit erwartet Jesus von seinen Jüngern: Mitfühlen, mitdenken, ahnen was die Menschen bewegt und die Zeichen (der Zeit) erkennen. Christentum kann man nicht planen und Kirche nicht konstruieren. Gelungenes Christentum entsteht aus der gemeinsamen Bewegung zum Ziel.

- Jeder Bau hat seinen festen Ort. Erst nach dem Richtfest wird aufgeräumt und das nächste Projekt in Angriff genommen. Fischen dagegen ist keine ortsfeste Tätigkeit. Man muss sich schon in Richtung der Fische bewegen. Am Ufer stehen bleiben und aufs Wasser schauen genügt jedenfalls nicht. Auch das wird Jesus mitgedacht haben: Jünger, die am sicheren Ufer warten, bis die Menschen zu ihnen kommen, haben ihren Auftrag verfehlt. Christen gehen auf Menschen zu.

Jesus hat genau hingeschaut und verstanden, was einen guten Fischer ausmacht. Und genau die Fähigkeiten, die so einer braucht, erwartet er von seinen Jüngern, von uns. Menschenfischer sollen wir sein. Den Menschen nahe - besonders den Armen und Bedrängten - und jederzeit bereit für die Botschaft von der Nähe Gottes einzutreten.

(Text: Sebastian Nüßl, Diakon)



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