Direkt zum Hauptbereich

Dreifaltig nicht einfältig - Gedanken zum Dreifaltigkeitssonntag von Diakon Sebastian Nüßl



In einem Karl Valentin-Stück unterhalten sich zwei „Ratsch-Kathln“. Die eine sagt: „Sie, jetzt muass i amoi dumm frogn.“ und die andere antwortet: „Sie ham doch no nia anders gfrogt.“ Dann wieder die erste: „Gibts leicht mehrere Gotte?“

Nein, mehrere „Gotte“ gibt es für uns Christen nicht, auch wenn wir morgen den Dreifaltigkeitssonntag feiern. Wir glauben an den einen Gott. Aber dieser eine Gott hat nicht nur ein Gesicht. Er hat das Gesicht des Schöpfers - wir nennen ihn Vater. Er hat das Gesicht unseres Bruders Jesus - wie nennen ihn Sohn. Und er hat das Gesicht unseres liebenden Begleiters - wie nennen ihn Heiligen Geist.

Wir sollten uns aber nicht allzu sehr auf die Zahl drei konzentrieren, denn sie steht für mehr: Gott hat mehr Gesichter als wir uns das vorstellen können. Er ist vielfältig. Er begegnet uns hier und dort. Im anderen, im Blick in die Natur, im Wort des Evangeliums, im Brot des Abendmahles. Das Fest der Dreifaltigkeit ist daher das Fest der Vielfalt in der Kirche und in der Welt.

 Wir machen uns die Vielfalt der christlichen Kirchen vielleicht zu wenig bewusst. Aber sie ist grundlegend:

- Wir haben nicht eine Heilige Schrift sondern zwei. Und eine davon gehört überhaupt nicht zum Christentum sondern zum Judentum.

- Diese Schriften hat nicht einer verfasst sondern wahrscheinlich hunderte Frauen und Männer.

- Selbst von den Kernschriften unseres Glaubens - den Evangelien - gibt es nicht nur eines, sondern vier und die sind nicht immer einer Meinung.

- Es gibt nicht nur eine christliche Kirche, sondern viele und so könnte ich fortfahren.

 Dieses Fest erinnert uns aber genauso an die Vielfalt unserer Welt, die für uns Christen ein Geschenk des Geistes ist. Denn es gibt viele Rassen, Hautfarben und Kulturen. Es gibt viele Begabungen und viele Arten von Kunst und Musik. Es gibt viele Möglichkeiten, die Welt zu sehen.

Vielfalt ist ein Ärgernis für die Vereinfacher dieser Welt, die auf alles eine eindeutige Antwort suchen - und sei es die große Weltverschwörung. Sie ist ein Ärgernis für die Fundamentalisten, die immer schon ein Urteil bereit haben: schön - hässlich; richtig - falsch; gut - böse. Und sie führt zu Konflikten, wenn sie nicht ausgehalten wird. Überdeutlich sehen wir das zur Zeit in den USA wo immer noch „schwarz sein“ bedeuten kann weniger wert zu sein.

 Vielfalt sollte uns nicht erschrecken sondern zum Staunen bringen. Sie sollte uns bescheiden werden lassen angesichts der unüberschaubaren Welt der Menschen und erst recht des Geheimnisses Gottes.

Ich möchte mit einem afrikanischen Gebet enden, das wir gerade in unseren Tagen mit vollem Herzen mitsprechen können:
„Ich möchte, dass die Welt ein Korb voll Farben ist.

Und ich möchte, dass Frieden wird in diesem Korb.“

 Foto: Dreifaltigkeitsfenster in St. Martin
Text und Foto: Diakon Sebastian Nüßl

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Auszug aus der Predigt am Faschingssonntag, 27.02.2022 von Stadtpfarrer Franz Reitinger

 Liebe Mitchristen, liebe Schwestern, liebe Brüder, bevor er so richtig begann, ist der Fasching auch heuer wieder von der Bildfläche verschwunden. Hatte die Corona-Pandemie schon vieles unterbunden, war die Lust auf Karneval mit dem Münchner Gutachten um Missbrauch  und Vertuschung schon merklich reduziert, so hat der Krieg, die Aggression Putins gegen die Ukraine die meisten von uns auf einen Tiefpunkt der Faschingslaune geführt. Wie sollten wir uns auch als Narren gebärden, während Raketen und Bomben, Flugzeuge und Panzer wehrlose  Menschen gefährden. Ich sage es deutlich, wenn auch in Reimen. Die Lage in Europa ist seit Donnerstag nur noch zum Weinen. Die Ukraine und sein demokratisch gewählter Präsident ist in höchster  Gefahr. Es steht zu befürchten, dass er nicht das letzte Opfer von Putins menschenverachtender Diktatur war. Ja, meine lieben Mitchristen, ich wäre so gerne auf die Kanzel gegangen, Und hätte so gern mit harmlosen, lustigen Versen Si...

Kann Kirche im Januar 2022 noch Heimat sein? Predigt zum 4. Sonntag i. J.

Um die Kirche steht es schlecht. So viele Unklarheiten, so viele patriarchale Strukturen, Missbrauch, Vertuschung, unguter Umgang mit Homosexualität und anderes mehr. Nicht wenige haben das Gefühl, die Kirche, die ihnen Heimat war, bricht aus ihrem Leben weg. Heimat zu verlieren aber ist schmerzhaft.  Auch Jesus ist im Evangelium vom heutigen Sonntag dabei, seine Heimat zu verlieren. Nicht nur wird kein Prophet in seiner Heimat anerkannt, wie er im heutigen Evangelium sagt. Noch dazu provoziert Jesus die Menschen seiner Heimat. Denn er weist auf Ereignisse hin, bei denen sich Gott nicht als Gott der Juden erwiesen hat, sondern als Gott von Fremden - beispielsweise eines Syrers. Der wurde vom Aussatz geheilt, nicht die Kranken Israels. Provokationen, die die Menschen seiner Heimat verärgern und fast zur Lynchung Jesu führen. Doch der schreitet mitten durch die Menschenmenge und geht weg, wie in dieser Stelle aus dem Lukasevangelium zu lesen ist. Die Provokation Jesu ist die Aussage...

Corona-Gespenster und der Auferstandene - Gedanken von Diakon Sebastian Nüßl

Wir glauben nicht an Gespenster. Und doch bekommen wir eine Gänsehaut, wenn eine gute Gruselgeschichte erzählt wird. Gespenster machen dann doch noch Angst: nicht zu fassen, nicht festzumachen, bereit, allen möglichen Schaden anzurichten. Wir wissen natürlich, dass es die aus den Geschichten nicht gibt. Heute treiben andere „Gespenster“ ihr Unwesen. Auch sie wollen Angst verbreiten, sind schwer zu greifen und zu durchschauen. Hatte so ein Gespenst vor Jahren den Namen „Flüchtlingsflut“ heißen sie heute: „Corona-Diktatur“, „Corona-Zwangsimpfung“, „Corona als Mittel zur Erlangung der Weltherrschaft“. Leer-Denker machen damit Politik. Das Evangelium vom morgigen Sonntag (Lukas, Kapitel 24, die Verse 35 bis 48) hat eine wesentliche Botschaft: Christen glauben nicht an Gespenster. Es geht um den Auferstandenen. Er erscheint seinen Jüngern eben nicht als Gespenst, sondern mit Fleisch und Knochen und dazu fähig, einen Fisch zu essen. Wie wir uns das genau vorstellen können bleibt offen, den...