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Christi Himmelfahrt und die Männer von Galiläa - Gedanken von Gregor Schuller OSB


Der Auferstandene, Wandteppich in der Pfarrkirche St. Martin Deggendorf,
(Foto: Pfr. Franz Reitinger)

Einer der schönsten Gesänge des gregorianischen Repertoires ist vielleicht der Introitus „Viri Galilaei“, der Eröffnungsgesang des Hochfestes Christi Himmelfahrt. Unbändige Freude und Staunen ausdrückend und zugleich feingliedrig vertont, beginnt dieser Gesang mit einer Frage: „Ihr Männer aus Galiläa, was wundert ihr euch und schaut zum Himmel empor?“ Diese Frage ist aus der Apostelgeschichte entnommen und hat ihre volle Berechtigung. Vierzig Tage hindurch ist Jesus seinen Jüngern erschienen. Das heißt, er hat sich ihnen immer wieder gezeigt, besonders dann, wenn sie miteinander gebetet und das Brot gebrochen hatten. Er war ihnen nahe. Am vierzigsten Tag schließlich wird er vor ihren Augen zum Himmel emporgehoben. Das bedeutet, dass er ihren Blicken entschwindet und sie augenscheinlich verlässt. Jesus kehrt heim zum Vater, von dem er gekommen war, zurück zu dem, der ihn als Menschen in die Welt gesandt hat. Jesus ist weg. Die Jünger können es nicht fassen. Er ist für sie im wörtlichen Sinne un-fassbar geworden.

Die Differenz zwischen Himmel und Erde ist größer geworden. Die Erde ist hier, ist der Ort wo wir leben. Der Himmel ist nicht-hier, ist wie durch eine Schranke vom Hier getrennt. Jeder, der schon einmal einen geliebten Menschen verloren hat, kann das wohl nachvollziehen. Da gibt es kein zurück, nichts ist wiederholbar oder umkehrbar. Es ist endgültig. Durch solche oder ähnliche Erfahrungen werden wir Menschen immer wieder an die Begrenztheit unseres Daseins erinnert. Es wird uns klar, dass zwar vieles, aber nicht alles machbar ist. Gott sei Dank! Auch unser Blick kann sich dann verwundert und ungläubig – wie bei den Aposteln am Himmelfahrtstag – zum Himmel richten und fragen: Warum? Wozu?

Das Geheimnis der Himmelfahrt Christi kann eine Brück in diese andere, von uns getrennte Welt, schlagen. Wir haben einen, der ganz Mensch und zugleich ganz Gott ist und dieser jemand ist uns zum Vater vorausgegangen: Jesus. Er lässt uns nicht allein, er selbst ist die Brücke von dieser in jene Welt hinüber. Dieses Wissen kann die Gewissheit nähren: wer jemanden an den Himmel verliert, dem ist der Himmel näher.

Kaplan Gregor Schuller OSB

 

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